Gedichte
Texte __________von jf.seeweg
Alle Rechte vorbehalten
© by Johann F. Seeweg
1986 - Bosse
Noch stehen grau die Lampen
Noch flackert neonlicht zur Nacht;
Zerlumpt die alten Gaslaternen,
Beschloss'ne Sache: Zerstörung ist das Ziel.
Beschloss'ne Sache: Genf nur Schein
Denn die Abmachung lautet klar:
Menschheit ist
Zum Verheizen da!
Hey, Hey ihr Bosse,
Für Euch ist alles klar,
Ohne eines runden Ruhekissens
Geht ihr schwer hinüber in de Schlaf,
Hey, Hey ihr Bosse, für euch ist alles klar.
Wenn drüben drohend ein Schornstein brennt,
Wenn hinten Land nach Leben rennt,
Ist denen ihr Sitzfleisch
Metertief in Bunkern wohlgeschützt.
Vereinzelt denkt schon einer mal an Menschen
Mit Mitleid auf der Seel,
Doch rund klingt jede Mark in der Kasse -
Im Handschlag wechselt still diese Masse.
Ref.: Hey, Hey ...
Noch erwärmt ein Herbstmorgen
Zerbricht die Kälte die die Nacht erschlich.
Noch streift junge Liebe quer durch Gassen
Und weiß nichts vom Druck der Angst.
Schnell aber neigt junge Liebe zu Falten
Und kämpft mit dem Jetzt:
Es sind die Mächtigen
Die die Menschheit hetzt.
Ref.: Hey, Hey ...
Längst zeigt die Mauer Risse
Und duckgemäusert der Kopf geneigt,
Eiskalt die Faust im Nacken:
Allzu oft alles Innere erhängt.
Blindmachen und stumm sind wir Zeugen
Mit geschlossenem Augenlid
Das qualvoll so die Narbe erstickt
Die am Morgen die Träne erbricht.
Ref.: Hey, Hey ...
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by jf. seeweg, Reuteweg 9
87544 Ettensberg
GEMA LC 8524
1986
Freiheit und Sonne
Wenn's der Teufel manchmal so will,
Stehen alle Räder still;
Da hilft kein beten, da hilft kein flehn,
Bei Teufel, da bist allein mit Deinen Wehn.
Der Nachbar lacht sich in die Faust
Und schmunzelt vor sich hin.
Mir tropft der Schweiß von der Stirn
Und er lacht sich raus sein kleines Hirn.
Erst komm ich nicht aus den Federn raus,
Und nur mit Ach und Krach aus dem Haus;
Vom Bus seh ich nur noch das Hinterteil,
Oh mann oh mann ist das geil.
Die Welt scheint heute umgedreht,
Verflucht sei der Tag.
Heut könnts mich verdammt noch mal,
Freiheit und Sonne ist meine Wahl.
Der Nachbar nervt mich nun mit klugen Sprüchen
Und malt den Teufel an die Wand.
Schwärzer als Schwarz prophezeit er mir die Zukunft,
Doch sag ich euch, für was er der Garant:
Der Nachbar lacht sich in die Faust
Und schmunzelt vor sich hin,
Mir aber tropft der Schweiß von der Stirn,
Aber der lacht sich raus sein Hirn.
Der Nachbar lacht sich in die Faust
Und schmunzelt vor sich hin,
Mir aber tropft der Schweiß von der Stirn,
Und der lacht sich raus sein kleines Hirn.
Aber jetzt könnts mich verdammt noch mal,
Freiheit und Sonne ist meine Wahl;
Aber jetzt könnts mich ...
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1986
S'Wassr
Wenns Wassr letsched ibr
und nüf stigt i die Heach,
am Rond vrteilt und vrnetzed
und d'Luft vrwirblets klar:
Nochad sind mir vordussa
und lüged ´m Ufr noch
des nüs god i des leabe
oft lang, vrwünde und klar.
Ref.: Dann hocked mir Vordussa
sgrie Gras freud sich mit is
wenn nüfwearts Stui im Wassr no spieled
wenn nüfwearts Bemm gar no grie -
Abr nahwearts isch blos no vrrecke,
und s'leabe wird hie.
Am Hüs vorbie s'grie Wassr
a stuck dünd go schu brüng.
Vu links, vu reachts, vu ünda
Suppa läufed ring.
Dr Schoom foocht a zum Wachse
Blootra wirft a ründ.
A Neabl zeigt nüf an Himl
und schmeckt endr wie a Gstank.
Ref.: Dann ...
s'Wassr hängt voll ibr
und wühled dur de Dreck.
Sch wachsed Müra mea als Bosche
Bold gitts mea Bruck wie Bah.
Vr teert an hüfe Bode,
vrbütt a jeda Zoll:
Doch mir hocke Vordussa
s'grie Gras freud sich mit is,
Ref.: Dann ...
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87544 Ettensberg
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1986
Nicht Gerade Was ´ne Mutter Sich Erhofft
Rechte wie zuvor
Hey Mann, Dein Aufzug ist mir gegen den Strich
Hey Mann, Dein Haar ist nicht gerade ein Gedicht,
Ja das ist doch nicht was ´ne Mutter sich erhofft.
Mit ungeputzten Schuhen die Straße entlang,
Mit Jeans die längst durchgewetzt;
Da wunderst Du Dich, wenn Du keinen Job bekommst.
Rummlungern auf öffentlichen Plätzen,
An Hausecken stehen und gaffig lechtsen:
Hey Männiken, fühlst du Dich da nicht fehl am Ort.
Schau her, da kommt zu mir nichts rüber,
Mir ekelts da vor Deiner Visage:
Hey Männiken, der Zug ist längst abgefahr'n
Hey Männiken, der Zug ist längst abgefahr'n.
Komm laß vernünftig mal war rüber,
Oder hat es Dir die Sprache verschlagen;
Mir scheint wohl, ihr könnt blos Blabla klagen.
Ein Hin ein Her, unsteht Dein Leben
In verfall'nen Fabriken nach höhrem Streben;
Schachmatt, schachmatt das seit ihr.
Ich mein Du nicht, ich mein Du nicht,
Die Zeit ist längst gekommen,
Verabschiede Dich bevor wir es für Dich besorgen.
Ja ich seh auch wir ihr das Leben genießt,
Aber das macht noch nicht das mein Konto sprießt:
Doch ich seh schon, mit euch hab ich nichts zu tun,
mit euch hab ich nichts zu tun.
Laßt mal was rüber, ich bleib ganz cool,
Nur mal kurz begreifen was ihr so fühlt:
Vom Hörensagen, es muß irre sein.
Koch, ich versichere Dir, ich halt mein Visier
Ich kann schweigen - glaubt es mir:
Hey Mann, das ist doch nicht was ´ne Mutter sich erhofft
Das ist doch nicht ....
Geschichte ist zeitlos 12. November
Heut am 12. Nov. 2oo1 christlicher Zeitrechnung las ich mein Gedicht
"1986" und muß deren Zeitlosigkeit bemerken wie auch Machtlosigkeit
Grund der Unverbesserlichkeit der Masse Mensch.
Gotteshenker,
es sind immer Menschen
gleich
sie würden ihn
wie sie alle
die nur
geringfügig
anderst scheinen
anderst tun
anderst denken
den henkern übergeben
und sich
an ihrem Tod labsalen
wie sie die und sie
in leidenschaft
es täglich machen
mit Gott
wie sie immer und immer
die henker walten lassen
sie würden ihn ...
lebende individualisten
taugen nichts
im
Tod sind diese
den geldschefflern
alles wert
sie würden ihn
und Vincent van Gogh
würde heut wieder
ans kreuz genagelt
wie Charlie Christian
Bud Powell
Geier Walli und
und und und
wieder und wieder
und sie würden auch
der gehängten werke
immer wieder
an die Wände
klatschen
© by Johann F. Seeweg
